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Chronik: Die Umweltinitiative Teltower Platte (UI) (Anstrengungen zur Wiederherstellung von Biotopen auf und am Todesstreifen nach dem Mauerfall zwischen Kleinziethen und Teltow-Sigridshorst) Seit dem 20.03.93 ist der Name Umweltinitiative Teltower Platte Synonym für die Renaturierung des ehemaligen Grenzstreifens. Rund 30 ha Waldgebiet, grüne Lungen am südlichen Berliner Stadtrand, die nach dem Mauerbau einem übersichtlichen, bis 100 m breiten Grenzstreifen weichen mussten, wurden neu aufgeforstet. Teiche und Feldsölle wurden ausgegraben oder vom Unrat befreit. Schichtholzhecken wurden für ausgeräumte Feldfluren konzipiert und gepflanzt. Eine Streuobstwiese sowie neue Fuß- und Radwege wurden angelegt, der Erhalt des sogenannten Kolonnenweges der DDR-Grenztruppen gesichert, und und und ..... Begonnen hatten diese Aktivitäten aber bereits kurz nach dem Mauerfall im Dezember 1989, als Berliner und Brandenburger die Wiedereröffnung der Straßen zwischen Lichtenrade (Komponistenviertel) und Mahlow-Waldblick feierten. Man (auch Frau) ging den Kommunalpolitikern beim symbolischen Bäumchenpflanzen zur Hand, lernte sich schätzen und hätte nichts lieber getan, als den bald kursierenden Gerüchten, der Grenzstreifen werde als Grüngürtel erhalten, glauben zu schenken. Um nichts anbrennen zu lassen, beschloss man (natürlich auch immer Frau) die Gründung der "Bürgerinitiative Regionalausschuss Berlin Süd", die zunächst nur dem Bürgerwillen Ausdruck geben sollte, der Grenzstreifen dürfe nicht bebaut werden. Daraus entwickelten sich bald Pläne, die durch den Grenzstreifen zu Kleinstwaldparzellen zerstückelten Waldgebiete in Ost und West wieder zusammen wachsen zu lassen --- eine für die Ökologie dieser Waldgebiete sehr bedeutsame Sache. Beste Voraussetzungen, der Idee Taten folgen zu lassen, boten sich auf dem ca 7 ha großen Areal zwischen Nachtbucht und "Soldatenwäldchen" westlich von Lichtenrade. In der Oberförsterei Ludwigsfelde brannte Oberförster Günter Krüger, der den an dieser Stelle besonders vielfältigen Wald einst auf Weisung der Staatsmacht hergeben musste, darauf, die trennende Schneise wieder schließen zu können. Auch die Gemeindevertretung von Osdorf unterstützte die Pläne ohne wenn und aber. Am 19.03.91 wurden die ersten Eichen- und Lärchensetzlinge insbesondere durch die Mitglieder des Jugendvereins Aktiver Tierschutz e.V. (Lichtenrade) und die Nabu-Jugendgruppe (Mahlow) im neu geschaffenen, einstweilig gesicherten Landschaftsschutzgebiet "Nachtbucht-Lüttkesee" gesetzt. Anfang Mai war die Pflanzung im Wesentlichen abgeschlossen. Durch diesen Erfolg angespornt, schaffte die UI noch im Herbst 1991 und im Frühjahr 1992 die Aufforstung von 4,5 ha Grenzstreifen am Hasenholz (Mahlow-Roter Dudel). Die in einem Winkel von ca. 45° zum Kolonnenweg, dem jetzigen Hauptweg, angelegten Pflanzfurchen sollten dem Waldbesucher nach Heranwachsen der Setzlinge möglichst bald das Bild eines artenreichen Mischwaldes bieten. Für das ehrgeizige Aufforstungsvorhaben Kleinziethener Wäldchen zusammen mit dem zugeschobenen Herthateich, östlich der B 96, etwa 13 ha, musste zunächst der Flächennutzungsplan der Gemeinde Großziethen, der bisher Grünland und ein Areal für einen Hotelneubau ausgewiesen hatte, geändert werden. Die Entscheidung zugunsten des Waldes trafen die Gemeindevertreter am 30.04.92. Als das Amt für Fortwirtschaft Königs Wusterhausen die Erstaufforstung im Sinne einer naturgemäßen Waldwirtschaft am 04.12.92 genehmigte, stand das am 31.10.92 begonnene Pflanzen bereits kurz vor dem Abschluss. Am 13.12.92 wurde vom Leiter des Landesforstamtes, Siegfried Wenske, symbolisch der letzte Baum, eine Ulme, gepflanzt. Die Streuobstwiese an der B 96 zwischen Lichtenrade und Mahlow wurde am 05.12.92 gepflanzt. Sie soll den Übergang von der ländlichen Feldflur zur Gartenstadt markieren. Auseinandersetzungen mit einigen Alteigentümern konnten vorerst beigelegt werden. Für die Erstaufforstung des Osdorfer Wäldchens (6 ha) vom 14.03.93 bis 30.10.93 konnten die erforderlichen Genehmigungen relativ problemlos beschafft werden. Die Pflanzungen mit vielen Helfern, darunter ABM der Oberförsterei Ludwigsfelde, erfolgten mit schon bewährter Routine. Gerade zu diesem Aufforstungsvorhaben hat die UI wegen der tragischen Ereignisse in der jüngeren Geschichte Osdorfs, die 1972 aus nur zu mutmaßenden Gründen mit der Schleifung des grenznahmen Rieseldorfes endeten, immer ein besonderes Verhältnis gehabt. Der Wald deckt inzwischen die Relikte Osdorfs: die kopfsteingepflasterte Dorfstraße, die Ruinen des alten Gutshauses und der Arbeiterhäuser. Mit der Pflanzung der Alleen konnte aus Witterungsgründen und wegen der zu spät eingeleiteten Spendenkampagne erst im Herbst begonnen werden. Neben der bereits bei früheren Aktionen erprobten Einsatzbereitschaft von Schülern der Maria-Montessori-Grundschule aus Tempelhof und deren Eltern tat auch eine Schöneberger Waldjugendgruppe mit. Letztere, seit 1994 offizielle Waldpatin, hat bis 1997 an der Entstehung des "Osdorfer" mitgewirkt. Ihr schöner Plan vom Erlebniswanderweg für Blinde blieb Idee. Die Vorgehensweise der UI gestaltete sich mit Ausnahme des Kleinziethener Wäldchens, über das noch besonders zu berichten ist, stets in der Weise, dass entlang des ehemaligen Kolonnenweges, der besonders durch Anstrengungen der Bürgerinitiative "Rettet die Marienfelder Feldmark" erhalten werden konnte, mannshohe Alleebäume gepflanzt wurden. Diese Alleebäume und die nötigen Pflegemaßnahmen konnten zunächst überwiegend durch Spenden der Bevölkerung finanziert werden. Als die Spendenfreudigkeit erschöpft war, gelang es, durch Zuweisung gerichtlicher Geldauflagen an den Berliner Wanderclub e.V., der sich zunächst mehr der Renaturierung der Teiche und Sölle gewidmet hatte, dann aber mehr und mehr auch die anderen Aktionen der UJ untersützte, die Fortführung der Arbeiten finanziell abzusichern. Dass immer auch Winterlinden als Alleebäume gewählt wurden, geht auf den Imkerverein Blankenfelde und Umgebung e.V. zurück, dessen Mitglieder im Interesse ihrer Honigproduktion allemal den Bienenweiden das Wort redeten. Dem Pflanzen der Alleebäume, von denen manche Bürger, Firmen, Vereine, Parteien, Kirchengemeinden usw. für 150,00 DM gleich mehrere spendeten, folgte als Dank der UI nach jedem Pflanzabschnitt ein "Mottenfest". Diese Feste, eine echte Erfindung der UI, waren inzwischen guter Brauch und bei Alt und Jung "voll im Trend". Eingeleitet durch jagdliche Signale des Jagdhornbläserkreises Berlin folgten kurze Ansprachen, in denen Dank und Anerkennung für Helfer, Spender, Forstwirtschaft, Behörden, aber auch die UI ausgesprochen wurde. Bei Kaffee, Kuchen und reichlich Glühwein stand man um den dampfenden Glühweintopf am Lagerfeuer beisammen und machte sich Mut zu neuen Taten. Dabei war es Brauch, das von den einzukürzenden Wurzelstöcken mit dem Beil abgeschlagene Wurzelgeflecht ins Feuer zu werfen, um so symbolisch die Schädlinge aus den Wurzeln der Jungpflanzen zu vertreiben. Diese Schädlinge, die sogenannten Motten, fuhren denn auch als Funken aus dem glühenden Holz und zeichneten in den dunklen Herbstnächten ein stimmungsvolles Bild. Zur Tradition der Mottenfeste gehörte auch das Anbringen grüner Namenschilder an den Stützpfählen der Alleebäume. Ausgewiesen wurde der Name des Spenders und das Pflanzjahr. Bedauerlicherweise findet man solche Schilder nur noch vereinzelt. Aber nicht nur die Schilder wurden und werden abgerissen; ganze Bäume verschwinden oder werden durch Vandalismus zerstört. Nachpflanzungen und Gießaktionen gehören deshalb auch heute noch zu den ständigen Aufgaben der UI. An die Stelle der nicht mehr aktuellen Mottenfeste sind inzwischen das sogenannte Helferfrühstück zum Beginn eines jeden Jahres, die Radtour am ersten Julisonntag, gedacht als Informationsfahrt für Gäste zu den Projekten der UI und die Försterwanderung Anfang Dezember getreten. Letztere hat sich, bis auf das Verbrennen der Wurzeln, das Flair der Mottenfeste bewahrt. Im Kleinziethener Wäldchen war, wie schon angedeutet, während der Planungsphase von der speziell zum Abbau der Grenzanlagen gegründeten AVA GmbH (Gesellschaft zum Abbau und zur Verwertung von Altanlagen und Altlasten mbH) der Kolonnenweg als Teil der Grenzbefestigungsanlage entfernt und der sogenannte Kraftfahrzeuggraben, im Berliner Sprachgebrauch auch Panzergraben genannt, mit Lehm verfüllt worden. Dadurch wurde es möglich, in dieser Waldfläche ein Wegesystem anzulegen, dessen Verlauf im Wesentlichen der historischen Wegeführung nachempfunden ist. Neu ins Wegekonzept aufgenommen wurde nur der Weg auf der geschleiften Mauer (Mauerweg). Weniger spektakulär, für das Landschaftsbild und den Artenschutz aber von um so größerer Bedeutung, gestaltete sich die Wiederherstellung bzw. die Unratberäumung und Entschlammung des Hasenholzpfuhls (früher Drei- weidenteich) an der S-Bahn zwischen Lichtenrade und Mahlow (1990 - 1994), des Herthateichs im Kleinziethener Wäldchen (1992 - 1993) und des Machhalitpfluhls an der Osdorfer Straße (1994 - 1995). Die beiden erstgenannten Gewässer wurden teilweise mit Berliner Leitungswasser befüllt. Bei der relativ großen Entfernung vom Hasenholzpfuhl zum Hydranten in der Saalower Straße half die Lichtenrader Jugendfeuerwehr bei der Befüllung. Der mittels einer Pumpe auf halber Strecke verstärkte Druck war so groß, dass die in dem wohl lange nicht mehr richtig gespülten Leitungsnetz anhaftenden Sedimente gelöst wurden, und sehr zum Unwillen einiger Anlieger, die heftig protestierten, im Kaffeewasser endeten, was wiederum zum vorzeitigen Abbruch der Befüllung führte. Dafür hatte man dann um so mehr Zeit für ein ausgiebiges Mittagsmahl, an dem sich Berliner, Brandenburger und natürlich die Feuerwehrjugend am Tag der Deutschen Einheit 1992 mitten auf dem Kolonnenweg gütlich taten. Leider sind die Niederschlagsmengen für diese sogenannten Himmelsteiche in den letzten Jahren nicht ausreichend gewesen. Einige fallen deshalb bereits zu Beginn des Sommers trocken, was die UI seit Jahren veranlasst, über zusätzliche Bewässerungsmöglichkeiten auch für Alleen und Hecken nachzudenken. Die UI, einst zur Renaturierung des Grenzstreifens angetreten, kann heute nicht mehr die vielen Spender und engagierten jugendlichen Helfer mobilisieren, wie vor zehn Jahren. Sie wird deshalb nur noch in bescheidenerem Umfang und in Absprache mit denen tätig, denen heute Obhut und Pflege als staatliche oder gesellschaftliche Aufgabe anvertraut sind. Zehn Jahre nach ihrem ersten Tätigwerden nutzt die UI die Möglichkeit, an dieser Stelle nochmals all denen zu danken, die um ihren wie auch immer gearteten Beitrag wissen. Besonders genannt sei allein die Brandenburger Forstverwaltung, die in für sie schwerer Zeit einen nicht wegzudenkenden Beitrag erbracht hat. Den erstmals ausgeschriebenen Umweltpreis des Bezirksamts Tempelhof von Berlin konnten die verbliebenen und später hinzugestoßenen Aktiven der UI am 26.11.98 stellvertretend auch für all jene entgegennehmen, die nicht mehr mittun können oder sich neuen Aufgaben stellen mussten. Die UI bittet die Bürger, das Geschaffene zu bewahren. Lutz Cronenberg | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||